Bild "Willkommen:wb_altar_300px.jpg"

Jubilate 22.4.2018
Pfr. J. Coburger über 5.Mose 6,4-9


Liebe Jubelkonfirmanden, als ihr konfirmiert wurdet ging folgender Scherz umher, vor allem in der DDR:

Im Kreml findet ein Bankett statt. Das war als Gargarin noch lebte, der erste Mann im Weltall, der Erdumkreiser und gefeierte sozialistische Held. Mitten im üblichen Gedränge zwischen Sektglas und Häppchen fischt sich Nikita Chrustschow den mit Orden geschmückten Mann: He, Gargarin, psst, sag, hast du IHN da oben gesehen, na du weißt schon – IHN – den da im Himmel, war er da oder nicht? Gargarin nickt, immer und immer wieder. He Gargarin, halt bloß den Mund, verstanden, niemand sagen, dass du ihn gesehen hast. Nach einer Weile kommt der Patriarch Pimen, der Orthodoxen Kirche zu Gargarin, toastet ihm zu und fast beiläufig: Sagen Sie Gargarin, haben Sie ihn da oben gesehen? IHN? Darauf der Held: Nöööö, wie denn auch? Darauf der Patriarch „Schweigen sie, bloß niemand etwas davon sagen.“

Lieber Schwestern und Brüder, wir wissen es längst, dass Gott nicht in den Wolken ist, sondern alles umfasst. Es ist unruhig um das Thema „Gott“ geworden. Und allemal, wie in dieser tragikkomischen Geschichte aus dem Kreml, ist das Wort „Gott“ Gegenstand von Unverstand und Spekulation. Es ist letztlich völlig belanglos, ob IHN Gargarin oder Armstrong oder wer auch immer gesehen haben. Denn einen Gott, den es lediglich GIBT, den gibt es nicht.

Und unter uns, in der Kirche? Wir bekommen gemeinsam mit unseren Schwestern und Brüdern in Abraham, den Juden, gezeigt, dass Gott nicht teilbar ist, dass Liebe nicht teilbar ist. Mit der Gottesfrage ist ja der Streit um den Polytheismus und den Monotheismus erneut entbrannt. Unser Herr erklärt sich zuständig für unser ganzes Leben.

Was ist seinem heiligen Namen nicht alles angetan worden?
Zum Drohwort gemacht oder
Bis zur Unkenntlichkeit weichgespült
Für Sonntagsreden im Wahlkampf missbraucht
Mit Beweisen traktiert, mit Antibeweisen seziert
Blutet es aus allen Wunden
In Schizo, Neuro und Psycho eingeteilt.

Er hat aber doch einen Namen und ein Gesicht: Jesus Christus!
Wir haben mit dem Predigttext das sog. Shema Israel, das Höre Israel, jenes einzigartige Glaubens- Bekenntnis, mit dem das ganze Leben eines Frommen umfasst bleibt, geborgen und geliebt in seinem Heiligen Namen

Es erzählt und bekennt die Einzigartigkeit Gottes und seine Unteilbarkeit. Auch seine Unfassbarkeit und die Unmöglichkeit und doch die Lust, alles zu analysieren. Das Höre Israel, das „Shema Israel “steht in eben der Heiligen Schrift, die Juden und Christen gemeinsam lesen. In großer Demut aber dürfen wir Anteil haben, in dem uns Christus Jesus mitnimmt.

Im März diesen Jahres haben wir dazu einen wichtigen und guten Gemeindeabend zu den letzten hundert Jahren der Geschichte Israels gehört und völlig klar wieder gesehen, wie dies alles nicht von seinen biblischen Wurzeln zu trennen ist.

Das „Vater Unser“ Jesu an seine Kirche ist die Weitergabe einer Vollmacht, dass auch wir so auf Christenart beten dürfen, nicht indem wir die Juden wieder religiös zu enteignen suchen, sondern indem wir, hinzugekommen zum Gottesvolk auch in seinem Namen beten sollen und dürfen. Jesus Christus, der Jude, ist die Brücke dorthin. Nur in seinem Namen, so wird das Neue Testament nicht müde zu betonen, können wir bitten und flehen. Es ist ein herrliches großes Vorrecht. Wir haben es weder gemacht noch verdient, sagen zu dürfen: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name…

Wie halten wir seinen Namen heilig? Indem wir eine hörende, eine lauschende Kirche sind. Was hören wir heute? Gottesliebe und Menschenliebe sind nicht trennbar. Johannes pointiert „Wer sagt, er liebe Gott und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner.“ 1.Joh.2 Und indem als hörende und gehorchende Kirche Menschenverächtern und Judenhassern nicht das Feld überlassen.  

Unsere Zeit will aber eher das Auge befriedigen. Wenn ich eine zeittypische Sache nennen soll, dann ist es das Tuning. Die werden Sachen, oft Autos, getunt, wie es heißt „optisch aufgewertet“. Unsere Zeit setzt mehr auf das Auge als auf das Hören. Wir haben das Hören weitgehend verlernt. Denn dort, wo kein Zuhören mehr ist, wird uns bald Hören und Sehen vergehen. Alle großen und guten Werke der Menschheit sind aus der Stille und dem Hören geboren. Alle großen kirchengeschichtlichen Stationen, bis hin zu Luthers befreiender Wieder-entdeckung der Gnade Gott kamen aus diesem Hören. Mit dem Hören auf Gottes Wort lieben wir ihn. Wie gefährdet muss eine Gemeinde sein, die sich nicht mehr um sein Wort versammelt? Wer draufhört, liebt darin Gott. Wer den Höchsten liebt und auf ihn hört, wird an den Nächsten verwiesen.

Mit dem Hören auf Gott werden wir herausgeholt aus Engstirnigkeit und Selbstbezogenheit. Im Hören liegt der Anfang alles Staunens. Im Staunen liegt der Anfang aller Liebe. Hört das Hören auf, hört die Liebe auf. Höre Israel – was wir nicht leibhaftig vollziehen, wandert auch aus unserem Herzen aus. Wer „Wer diese meine Rede hört und sie tut – so sagt es Jesus. Höre, Kirche Jesus Christi: im Hören werden wir wieder frei von uns selbst für die Weite der ganzen Welt und für die, die mit uns leben. Gottes- und Nächstenliebe ist untrennbar.

Der Kern: Das Doppelgebot der Liebe. Du sollst Gott den Herrn lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst. Eben durch das Hören findet die Liebe die Gegenliebe. Liebe kann man nicht fordern, aber man kann sie hervorrufen. Genau das macht Gott. Bevor es heißt: Keine anderen Göttern, als ob das ein Verzicht für uns wäre! , heißt es: Ich bin dein Gott, ich habe dich aus der Knechtschaft befreit. Und diese Freiheit verweist uns der menschgewordene Gott selbst in Christus an die Menschen dieser Erde.

Nach dem Hören können wir wieder bewusst handeln. Mehr noch, denn unser Singen, Beten, Taufen, beten ist Handeln. Doch der Gottesdienst muss in den Alttag hinein weitergehen und uns sensibel machen für die wachsende Verachtung, die braune Schreihälse mit ihren Parolen gegen jenes Volk, dem das „Shema Israel“ geschenkt worden ist, verbreiten wollen. Muss uns sensible machen, für die neue gewachsene Aggressivität des Atheismus. So zur Gottesliebe und Nächstenliebe gerufen, können wir gar nicht anders, als diese Mächte zu benennen und den Verachteten in Liebe zu begegnen.

Heute ist auch immer zugleich Taufgedächtnis! Das ist der Grund unserer Konfirmation. Konfirmation: Befestigen und Bestärken. Wir alle, Jubelkonfirmanden, Eltern und Paten, müssen dann nicht mehr sagen: `Psst, halt bloß deinen Mund.` Schließlich versprecht ihr dann währen der Taufe, eben vor eurem Kind nicht den Mund zu halten. Dann sind Eltern und Kinder keine Besserwisser mehr, sondern alle miteinander Lauschende zugleich auf einer Augenhöhe.

Schließlich ist die Frage etwas verräterisch: Hast du ihn gesehen da oben? Sollten wir nicht besser fragen: Hörst du ihn hier unten? Hören bedeutet Ge- hörsam. Gehorsam meint dann nicht nur alleine Zuhören und tatenlos weitergehen, sondern gehorsam heißt: Mache es auch tatsächlich. Denn bei Jesus liegt der Ton deutlich auf: Hören und Tun. Gehorsam meint nicht den vom Kasernenhof, sondern dass es ohne Liebe und Vertrauen nicht geht. Wir bekennen mit den Juden den einen menschenfreundlichen Gott, den Vater Jesu Christi. Wir sollen „Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.“

In einer Tageszeitung lese ich vergangene Woche, alle Medien waren ohnehin alle voll davon, dass „Judenhass zum Alltag geworden“ ist. Wer zu Jesus gehört, wird sich daran niemals beteiligen können oder beteiligen wollen. Betet für Jerusalem, wünsche Jerusalem Glück.