Bild "Willkommen:171201_miL.png"

Liebe Gemeinde,

in unserem Gesangbuch steht ein tiefgründiges und sehr frommes Weihnachtslied von Jochen Klepper: „Du Kind zu dieser heil´gen Zeit gedenken wir auch an dein Leid, dass wir zu dieser späten Nacht durch unsre Schuld auf dich gebracht.“ EG 50
Ja, es wird oft mit Recht relativierend angemerkt, man könne die Worte nicht ohne die Finsternis des Dritten Reiches verstehen – aber jetzt gut und weg mit dem Lied. Es ist heute störend für alle, die nur ein religiöses Zuckergussfest wollen, ohne im wahrem Glauben zu fragen, was Gott denn vom Himmel herab zu uns getrieben habe? Die große Freude soll uns in dieser unheiligen Nacht erreichen, aber ich möchte kein Weihnachten, wo wir ganz Jesus vergessen vor lauter Konsumorgie uns ablenken und nichts wissen wollen von DEM GROSSEN Geschenk, das Gott uns macht. Klepper besteht mit Recht darauf: Der Weg geht von der Krippe zum Kreuz. Untrennbar gehört das zusammen. Wer das veruntreut, liegt falsch. „Dazu ist erschienen der Sohn Got-tes, dass er die Werke des Teufels zerstöre…“ 1. Joh. 3,8b Wie denn, wo denn, wann denn? Karfreitag und Ostermorgen! Übrigens: Auch wenn man es an der Sprache nicht so schnell merkt, EG 27 mit seinem „wunderlichen Wechsel“ von Herr und Knecht ist nicht weit von EG 50 entfernt; „und setzt die Gottheit dran…“ 27, 4 etc. Ganz aus-drücklich wird der Passionspsalm Phil. 2 von Nicolaus Herrmann eingewoben. Wir haben seine Erniedrigung im Stall fast im Gedächtnis unserer Zeit ausgemerzt. Ja, ich freue mich mit euch auf das Fest, aber zuvor müssen wir fasten, stille werden und be-ten und demütig sein vor unserem Gott. Advent ist Bußzeit, welch ein Chance.

In herzlicher Verbundenheit Euer Pfarrer Jörg Coburger

Buchtipp:  Markus Baum „Jochen Klepper“
Als 1938 Kleppers Sammlung geistlicher Gedichte „Kyrie“ erschien, war es wie ein warmer Segens-Regen auf eine durch Hochmut und Hitlerbegeisterung verdorrte Landschaft, erschienen doch vor allem nun die Bücher, die von der Reichs-Schrifttumkammer unter Leitung des Schmierfinken Blunck unterstützt wurden. In unse-rem Evgl. Gesangbuch sind gute Lieder vom ihm mit viel Tiefgang u.a. durch J. Pet-zoldt und S. Rothenberg vertont. Seine Heirat mit der Jüdin Edith Stein, sein Selbst-mord als Adolf Eichmann nach zermürbenden Briefwechsel die zunächst in Aussicht gestellte rettende Ausreise endgültig untersagte, sein hohes Maß an Sensibilität - all das sind Dinge, die vom Autor Baum ohne Klischees, kenntnisreich und durchaus auch kritisch beleuchtet werden.