Bild "Willkommen:mlking.jpg"„Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt die große segnende Kraft Gottes gibt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“

Liebe Gemeinde,
das hat Martin Luther King gesagt. Seine Worte haben immer aufgeweckt. Sucht Christus nicht an Orten, die er schon verlassen hat. Glaubt nicht, dass immer alles so weiter geht, egal, wie zufrieden oder unzufrieden ihr jetzt gerade seid. Klammern wir uns heute auch an das Falsche, sind fasziniert vom Alten, auch wo es längst bröckelt? Ostern heißt, neu beginnen zu dürfen, denn die Kirche ist auf die Kraft des Auferstandenen gegründet. Ostern ist ihr Urgrund. Wegen dieses Urgrundes wird sie nicht untergehen, wie auch manche Kräfte in Deutschland ihr langsames Wenigerwerden und „Sterben“ feiern, versteckt hinter dem Mantel von Recherche, Berichterstattung und Anteilnahme. Er ist schon da und wir sehen ihn nicht, weil wir beim längst Vergangenen und Gestorbenen suchen. Gewiss wollen wir es noch in Liebe einbalsamieren, aber einer muss uns sagen: Hier ist Christus nicht! Es gibt keine Volkskirche mehr. Wir klammern uns gern an vertrauten Schmerz. Das hindert unseren Blick und einen möglichen Aufbruch. Ostern hieße dann, nicht wir lassen uns von Traditionen vereinnahmen, sondern wir vereinnahmen die Tradition für uns. Nur, wenn wir eine klare und unge-schönte Bilanz ziehen, wie es wirklich um uns steht, können wir das Bedrohliche befreiend beim Namen nennen. Argwohn und Konkurrenzdenken weichen dann der Zuversicht und dem Vertrauen, nicht am Alten kleben zu müssen. Wir haben fast dreißig Jahre immer nur addiert, alles war immer wichtig, der Heilige „Jemand“ sollte wollen müssen, bis wir an den Rand der Kräfte gekommen sind: So im Plus-Plus-System geht es nicht, weil wir uns verzetteln. Auch in der Kirche gilt: Immer weniger arbeiten immer mehr. Wir dürfen ohne Depression oder Aggression, aber heiter und gelassen sagen: So müssen, brauchen wir nicht mehr weiter leben. Ostern ist nicht das bloße Aufrechterhalten von etwas Altem. Das hat gewiss auch seinen berechtigten Platz, aber wir werden auch Neues erproben dürfen - und da darf auch mal etwas wieder verworfen werden, was ja probieren heißt, ohne dass die Mutigen mit Häme verspottet werden. Ostern macht uns den Blick für eine Menge Neues frei, was es auch in unserer Landeskirche gibt. So viele gute Projekte bei der Entdeckung von Gaben und Begabten: endlich fangen wir an, Streitkultur zu üben und Konflikte nicht mehr unter den Teppich zu kehren, sondern einmal auszusprechen. Endlich ist das Einzelkämpfertum langsam zu Ende. „Wir sind gezwungen“ (Zitat!) zusammenzuarbeiten. Da bin ich dann doch beim Osterlachen: Wie bei Bileam muss uns bockige Menschen Gott manchmal Esel und Engel schicken, damit wir endlich begreifen.

In herzlicher Verbundenheit Euer Pfarrer Jörg Coburger