Bild "Willkommen:altar_weiss.jpg"Exaudi 16.5.2021
Pfr. Jörg Coburger über Johannes 14,23-27


„Friede sei mit euch!“ – so grüßt der Auferstandene am Ende des Johannesevangeliums die Gemeinde. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!“ ( Joh.20, 19f )

Das Johannesevangelium ist ein Evangelium des Bleibens. Ob im Weinstockwort vom Bleiben am Rebstock und im Rebenverband die Rede ist ( 15 ), ob im Hohenpriesterlichen Gebet, wo Christus den Seinen mit in die Gemeinschaft der Liebe zwischen Vater und Sohn hinholt gleichsam als ob er die Kirche mit in die Trinität hineinziehen wolle,  ( 17 ); ob in Brotrede (6) als Jesus auf die Bitte: Gib uns allewege solches Brot antwortet: Ich bin das Brot. Oder das Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen ( 4 ), wo die Frau am Ende ihren Krug stehen lässt, weil sie ihn nicht mehr braucht, denn sie „wird nimmer mehr dürsten.“
Überall geht es um die Frage der Dauer, des Ewigen, und dessen, was im Wandel der Zeit Bestand haben kann.

Die Jünger hatten lernen müssen, dass sie ihren Herrn nur als den Weggehenden bleibend bei sich behalten können. So hatten wir es an Christi Himmelfahrt bedacht. Von Beginn an hatte der Evangelist im ersten Kapitel in seiner kleinen Weihnachtsgeschichte davon gesprochen, dass das Wort Fleisch ward und unter uns zeltete. ( 1,14 ) Lernen müssen wir das auch. Christus beschenkt uns mit einer bleibenden und un-zerstörbaren Gemeinschaft, er selbst ist es, der sie herstellt. Die Kirche ist nicht allein und deshalb muss sie auch nicht vor sich wurschteln „als gäbe es Gott nicht“ Sicher, manchmal tun und leben wir so, als sei Christus nicht da oder nur irgendeine interessante Erinnerung, wir erwarten uns jetzt nichts von ihm, weil wir ja schließlich alles allein machen müssen. Wir sind gewohnt, unser Leben in die Hand zu nehmen und zu planen

Christus füllt unseren Mangel aus. Er will keine hysterische und nervöse Kirche. Durch ihn und in ihm und mit ihm haben wir alles, was wir brauchen. Was ist das Bleibende, das Christus uns lässt?

Drei Sätze, wieder ums Bleiben, ragen heraus:
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten.
Der Heilige Geist wird euch lehren und erinnern.
Christus lässt uns seinen Frieden.

Da sind sie, die kurzen, grammatisch geradezu simplen Sätze, die so viel Tiefe haben. „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten.“ Liebe und Gehorsam gehören untrennbar zusammen. Anderen Gehorsam als den will Christus von uns nicht. Wir müssen hier gar nicht interessante psychologische Kategorien bemühen, um das zu verstehen.

Wir sind in Liebe befangen; wer liebt, ist nicht neutral. Es ist eben der aus den Ich- Bin- Worten, dem wir uns anvertrauen, den wir um Weisung und Wegweisung bitten, weil wir ohne ihn nichts tun können und ohne ihn nichts sind. Derzeit haben wir als Kirche viel Angst um uns und unser Bleiben und eine ganze Reihe qualifizierter Versuche liegen vor, wie die Kirche für die Zukunft flott gemacht werden soll. Nur eine hörende Kirche kann eine handelnde Kirche bleiben.

Und zum zweiten heißt es, dass wir beim Heiligen Geist in die Schule gehen. Das Wichtigste am Glauben ist das Lernen. Lernen aber ist wesenhaft erinnern und das Wieder- Holen. Glauben hat man nicht.

Glauben können wir nur leben aus dem Brunnen des Heiligen Geistes.
Das eben steckt nicht so in uns drin. Es muss uns gesagt werden, wir wissen nicht aus dem Gewissen, oder einem menschlich sein, wir wissen nicht ohne Rückbindung an die Gotteskraft, wes Geistes Kinder wir sind. Wir suchen nach Vergewisserung und bemerken, dass die Diskussion um die so genannten Werte und vornehmlich die christlichen Werte, was immer das sein, schnell sehr dünn wird. Nicht worauf ich höre, sondern wem ich gehorsam bin, klärt Christus mit seinen Jüngern. Der weite Atem des Geistes bewegt sich zwischen der Bemerkung Luthers, dass der Heilige Geist ein Zuchtmeister des Verstandes sei und jener Karl Barths, nach der es keinen intimeren Freund des menschlichen Verstandes gibt, als den Heiligen Geist. Er ist der beste Pädagoge den wir haben können.

Der Heilige Geist – Dynamik Gottes - wirkt nicht im luftleeren Raum, abstrakt ist er nicht. Er wirkt in, mit und unter – der Taufe, der Predigt und der ganzen Verkündigung, wenn wir z.B. an die herrlichen Kantaten denken, er wirkt im Abendmahl.

Schließlich: Was vom Frieden gesagt ist, sagt „zugleich“ der, der bald Gekreuzigt wird und der, der Auferstandene, in dieser Klammer wird es nicht zu Hohn und Spott. Die Kirche war und wird durch Zeiten der Irrungen und Wirrungen gehen, und oft genug gingen diese von ihr selbst aus. In der Welt habt ihr Anfechtung, aber seid nur getrost… 16,33

Ist das Friedenswort polemisch gemeint? Sicher, die Welt hat pax romana, pax amerikana und vielen anderen blutigen Varianten gelitten und leidet bis heute. Hier allerdings geht es nicht gleich um Pazifismus, sondern zuerst um eine christologische Pointe: Messianischen Frieden kann die Welt nicht geben, sie ist nicht Quelle dessen, was nur vom Himmel wieder geordnet und befriedet, vergeben, bereinigt werden kann. Es ist auch nicht der unantastbare Frieden der Cyniker und Stoiker, er ist kein Weltfluchtfrieden, sondern der, der uns als Schafe des guten Hirten mitten unter die Wölfe sendet. Es ist der Frieden, der sich treffen lassen kann vom Unfrieden der Welt, und sich nicht falsch und versöhnlerisch beruhigen lassen will, wenn die Wege des Friedens abermals über Opfer gehen sollen. Es ist der Frieden, den die Gemeinschaft der Heiligen zu einer Gemeinschaft der Heilenden macht.